Führe uns nicht in Versuchung

 

Bei seinem Nachdenken über das Vater-unser-Gebet hat Pfarrer Koschig noch einen interessanten Gedanken aufgegriffen: „…und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!“

 

Ich erinnerte mich in diesem Moment sofort an die Szene aus einem Kölner Tatort; dort meint Ballauf zu seinen Kollegen Schenk: Was ist das denn für ein Gott, der uns in Versuchung führt, um uns anschließend zu erlösen! So einen Gott und so einen Glauben brauche ich nicht.

 

Mich hat diese Frage auch sehr lange umgetrieben. Stimmt: So einen Gott brauche ich auch nicht.

 

Interessant ist auch hier der Blick in den Urtext. Offenbar ist die heute gebräuchliche Übersetzung nicht gut geraten. Ja schon die Kirchenväter hatten hier ihre Not.

 

So übersetzt Origines die Bitte in etwa „Lass uns der Versuchung nicht erliegen.“ Und wenn man noch weiter zurückschaut – ins Aramäische, in die Sprache Jesu – so lautet der ursprüngliche Sinn der Bitte: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“

 

So verstanden, kann ich diese Zeile des Unser-Vater-Gebets unbeschwert und froh sprechen: Hilf mir, Herr, wenn ich in Versuchung gerate, steh´ mir bei in finsteren Stunden; und erlöse mich von allem Bösen! | Weiterdenken